Digitale politische Partizipation in den Schweizer Kantonen: Das Mittelfeld hat aufgeholt


Der DigiPart-Index erfasst auf einer Skala von 0 bis 100, inwiefern es in den Kantonen der Schweiz möglich ist, sich digital an politischen Prozessen zu beteiligen. Im zweiten Jahr seiner Erhebung ist der Durchschnittswert über alle Kantone hinweg immer noch relativ tief, stieg aber von 31 auf 33 Punkte an. Im Ranking der Kantone wird ersichtlich, dass bei allen Kantonen die digitale Partizipation in politischen Prozessen verbessert werden kann. Gleichzeitig holen die Kantone des unteren Mittelfeldes auf und konkurrenzieren die Kantone an der Spitze. Dies liegt einerseits an kleinen, schrittweisen Verbesserungen in allen vom Index erfassten Bereichen und andererseits an einer gewissen Instabilität betreffend Angebot und Verwendung von Tools in der Dimension «Mitwirkung».

Aarau, 12. Oktober – Digitale politische Partizipation ergänzt zunehmend analoge Formen politischer Beteiligung. Elemente des politischen Prozesses wie Dialog, Konsultation, Beteiligung sowie Abstimmen und Wählen im digitalen Raum werden zunehmend wichtiger. Denn sie entsprechen den neuen digitalen Lebenswelten und -erfahrungen immer breiterer Bevölkerungskreise. Das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA), der Procivis Think Tank und das Institut für Kommunikation und öffentliche Ordnung und sowie das Institut für digitale Technologien der Kommunikation der Università della Svizzera italiana erheben deshalb für die Schweiz einen Index, der digitale politische Partizipation erfasst und Kantone vergleichbar abbildet.

Index Digitale Politische Partizipation Schweiz: Werte für alle Kantone der Schweiz auf einer Skala von 0-100 für die Jahre 2021 und 2022.

Digitale politische Partizipation wird mit Hilfe eines Index in einem standardisierten Wertebereich erfasst. Die Werte für den DigiPart-Index Schweiz reichen von 0 bis 100 Punkten und umfassen die Dimensionen «Meinungsbildung», «Mitwirkung» und «Entscheiden». Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind auch im Jahr 2022 beträchtlich. Erzielt wurden minimal 5 bis maximal 56 Punkte. Der Mittelwert beträgt 33 Punkte. Tendenziell führen finanzstärkere Kantone das Ranking an. Kantone mit einer älteren Bevölkerungsstruktur bieten eher weniger digitale Partizipationsmöglichkeiten an. Jedoch auch die an der Spitze liegenden Kantone können sich in allen Bereichen verbessern.

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich vor allem in der Dimension «Mitwirkung» Schwankungen ergeben. Diese Instabilität ist sowohl im Bereich der «eVernehmlassung» als auch im Bereich der «eAnliegen» zu beobachten und liegt primär an eingestellten Pilotversuchen oder tieferer Nutzung der entsprechenden Plattformen durch die Zivilgesellschaft. In der Dimension «Meinungsbildung» waren kleinere Verbesserungen in einigen Kantonen für die Bereiche der «eDeliberation», der «ePolitischen Bildung» und der «eTransparenz» zu beobachten. Schliesslich sind auch in der Dimension «Entscheiden» – vor allem im Bereich der «eID» – kleinere Verbesserungen für einige wenige Kantone zu verzeichnen. Im Bereich des «eVoting» hat sich nichts verändert. Der Index wird jährlich aufdatiert.

Bericht und Datensätze sind auf der Webseite www.digipartindex.ch abrufbar.

Medienanfragen
Deutsch: Uwe Serdült, uwe.serdult@zda.uzh.ch, +41 79 818 68 48 oder
Gabriel Hofmann, hofmann@zda.uzh.ch, +41 78 922 21 77
Französisch: Marine Benli-Trichet, marinecharlotte.trichet@zda.uzh.ch, +41 76 574 27 06
Italienisch: Anna Picco-Schwendener, anna.picco.schwendener@usi.ch, +41 76 439 94 96
Englisch: Costa Vayenas, vayenas@procivis.ch, +41 79 700 70 00

Die Untersuchung
Gabriel Hofmann, Uwe Serdült, Costa Vayenas, Marine Benli-Trichet, Jean-Patrick Villeneuve, Anna Picco-Schwendener und Leonardo Colosante (2022): DigiPartIndex Schweiz 2022. Aarau, Zürich und Lugano Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA), Procivis Think Tank und Università della Svizzera Italiana (USI).
www.digipartindex.ch/de/blog/digipartindex_2022/

Über das Projekt
Der Index Digitale Politische Partizipation Schweiz erlaubt es, den Stand der digitalen politischen Partizipation zu messen und zu vergleichen, vorerst für die Schweizer Kantone. Das Projekt wird vom Programm «Digitalisierung + Gesellschaft» der Stiftung Mercator Schweiz gefördert.

Über das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA)
Das Zentrum für Demokratie Aarau ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, vom Kanton Aargau und von der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, in der Schweiz und weltweit.
www.zdaarau.ch

Über den Procivis Think Tank
Die Aufgabe des Procivis Think Tanks besteht darin, die Auswirkungen digitaler Technologien auf die Demokratie zu untersuchen und einen Beitrag zur Entwicklung innovativer Lösungen im Hinblick auf die Digitalisierung von Dienstleistungen im öffentlichen Sektor und der Demokratie zu leisten.
www.procivis.ch/think-thank

Über das Institut für Kommunikation und öffentliche Ordnung und das Institut für digitale Technologien der Kommunikation der Università della Svizzera italiana
Das Institut für Kommunikation und öffentliche Ordnung und das Institut für Digitale Technologien der Kommunikation sind Forschungszentren der Università della Svizzera italiana in Lugano. Ihre Forschungsaktivitäten liegen an der Schnittstelle von Kommunikation, Staatsbürgerschaft und Technologie und haben zum Ziel, konzeptionelle Theorien mit praktischen Anwendungen zu verknüpfen.
www.usi.ch/en/research/institutes

Kontakt
Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA)
Villa Blumenhalde
Küttigerstrasse 21
5000 Aarau
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www.zdaarau.ch