Zum Hauptinhalt springen

Thema für alle Abteilungen des ZDA

Übergreifend stellen sich Fragen, die alle drei Disziplinen betreffen und im Diskurs zusammenführen. Wie sollen Gesellschaften Meinungen ausbilden und Entscheidungen treffen angesichts der zunehmend komplexen und transformativen Herausforderungen? Welche innovativen Prozesse können effektive und zugleich legitime Antworten hervorbringen auf Problemfelder wie beispielsweise den Klimawandel oder Künstliche Intelligenz? Inwiefern können sie dazu beitragen, die Repräsentationskrise der existierenden demokratischen Institutionen zu überwinden? Können sie einen Beitrag leisten zur De-Polarisierung der politischen Debatte? Unter welchen Umständen tragen sie zur Erneuerung und Stärkung des politischen Vertrauens bei? Und welche Rolle können sie spielen beim Formulieren und Umsetzen von effektiven Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und Probleme?

Aus politikwissenschaftlicher Sicht gilt es einerseits, die bisherigen Forschungsfragen weiterzuverfolgen. Wie entstehen demokratische Innovationen, von wem und warum werden sie eingeführt? In welchem Verhältnis stehen sie zu den traditionellen Institutionen der repräsentativen und direkten Demokratie? Unter welchen Bedingungen entstehen Prozesse von guter deliberativer Qualität? Wie werden demokratische Innovationen von den politischen Akteuren wahrgenommen? Wie werden sie von der breiten Bevölkerung beurteilt? Worin besteht ihr Mehrwert in der politischen und demokratischen Praxis? Welchen Beitrag zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Demokratie können sie leisten? Welche Modelle der Institutionalisierung gibt es und welches sind ihre Chancen und Risiken?

Aus Sicht der Politischen Bildung lassen sich ebenfalls eine Reihe von relevanten Fragen untersuchen. Wie lassen sich Konzepte der Politischen Bildung in Prozessen der deliberativen Demokratie umsetzen? Was können die Moderator:innen in deliberativen Prozessen vom Umgang mit Kontroversität und vom Beutelsbacher Konsens lernen? Wie können Lern- und Austauschphasen in Bürgerräten didaktisch so gestaltet werden, dass sie die unterschiedlichen Voraussetzungen der teilnehmenden Bürger:innen adressieren und gleichzeitig bei allen Beteiligten die Urteilskompetenz fördern? Inwiefern können solche und weitere Beteiligungsprozesse die demokratischen Werte bei jungen Menschen stärken? Welche Bedeutung kommt dabei den digitalen Kommunikationskanälen, der Onlinerecherche sowie den damit verbundenen  Meinungsbildungsprozessen zu? Angesichts der gesellschaftlichen Sorge um die politische Beteiligung von jungen Menschen sind diese Fragen von grosser gesellschaftlicher
Relevanz. Schliesslich gibt es auch vielfältige Anknüpfungspunkte für die Rechtswissenschaft. Wie lassen sich innovative partizipative Prozesse rechtlich verankern? Welche institutionellen und juristischen Rahmenbedingungen braucht es für die Einsetzung von Bürgerräten? Welche Kompetenzen und Aufgaben sollen sie haben – wenn überhaupt? Welche Spielräume bestehen bereits und wo braucht es Anpassungen – sofern gewünscht? Werden des Weiteren auch die Gerichte selbst als Institution Teil von innovativen partizipativen Prozessen, wie beispielsweise bei den sogenannten Klimaklagen? Welche Bedeutung haben solche Prozesse für die Legitimität politischer und rechtlicher Entscheidungen und für eine eventuelle Politisierung der Justiz?

Projekte

Democratising Just Sustainability Transitions – DUST

Das Projekt Democratizing Just Sustainability Transitions (DUST) zielt darauf ab, neue partizipative Instrumente für Nachhaltigkeitsübergänge zu entwickeln, die die Bürgerbeteiligung und das Vertrauen in die demokratische Regierungsführung stärken.

Es versucht, die Stimmen der am wenigsten engagierten Gemeinschaften anzuerkennen, wobei der Schwerpunkt auf strukturschwachen Regionen liegt, die von energieintensiven Industrien abhängig sind und von den Nachhaltigkeitsübergängen am stärksten betroffen sein werden.

Ziel ist es, die Umsetzung ortsbezogener politischer Massnahmen für gerechte Nachhaltigkeitsübergänge in grossem Massstab zu unterstützen, die die Beteiligung der Bürger und das Vertrauen in die demokratische Staatsführung stärken, insbesondere in den am wenigsten engagierten Gemeinden.

Direkte Demokratie Schweiz im 21. Jahrhundert – DDS21

An DDS21 sind Angehörige aller acht universitären politikwissenschaftlichen Institute der Schweiz sowie dem Liechtenstein-Institut beteiligt. Das Projekt soll zu einer Integration der Abstimmungsforschung in der Schweiz beitragen. Dank innovativen Fragestellungen, Methoden und erhobenen Daten soll es ausserdem die internationale Sichtbarkeit der Schweizer Politikwissenschaft stärken. Aufgrund des Umstandes, dass die direkte Demokratie derzeit weltweit auf dem Vormarsch ist, kann von einem regen internationalen Interesse für die Resultate des Projekts ausgegangen werden.

Die direkte Demokratie spielt in der öffentlichen Debatte in der Schweiz eine zentrale Rolle. Im Anschluss an Volksabstimmungen stehen insbesondere die Motive der Bürgerinnen und Bürger im Zentrum des Interesses. In diesem Zusammenhang möchte DDS21 auch einen gesellschaftlich relevanten Beitrag leisten, indem Erkenntnisse zu aktuellen Fragen den Medien und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Demokratische Innovationen im Kanton Aargau im Spiegel der Bevölkerung

Das Projekt hat zum Ziel, bei der Bevölkerung im Kanton Aargau mittels Umfragen ein qualitativ hochstehendes, repräsentatives Feedback zu Themen im Bereich demokratische Innovation einzuholen. Der Begriff „demokratische Innovation“ umschreibt Ansätze, die demokratische Institutionen ergänzen und erweitern, um das politische Interesse eines möglichst grossen Teils der Bevölkerung zu wecken und politische Beteiligung zu erleichtern. Anlässlich der Wahlen 2024 im Kanton Aargau soll beispielsweise ermittelt werden, ob die Bürgerinnen und Bürger offen dafür wären, für die Finanzierung des Wahlkampfs Gutscheine zu nutzen. Wie würden sie solche Kampagnen-Gutscheine nutzen?

Triage against the Machine: Can Artificial Intelligence reason deliberatively?

This project investigates the ability of artificial intelligence (AI), specifically large language models (LLMs), to emulate human deliberative reasoning—a cognitive process fundamental to democratic and sustainable decision-making.

AI4Deliberation – Artificial Intelligence for Institutionalised, Multimodal, Gamified, Mass Democratic Deliberations

The AI4Deliberation project aims to develop and test AI-enabled tools and processes to facilitate large-scale deliberations in public decision-making.