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Schlagwort: Studienbericht

Neuer Studienbericht: Zustand und Entwicklung der Zürcher Gemeinden

Ergebnisse aus der Gemeindeschreiberbefragung 2023 (Schlussbericht)

Das ZDA hat im Auftrag des Kantons Zürich einen neuen Studienbericht veröffentlicht. Die Auswertung untersucht, was die Zürcher Gemeinden ausmacht und wie sie aufgestellt sind. Er zeigt ausserdem auf, mit welchen strukturellen, personellen und gesellschaftlichen Herausforderungen die Gemeinden im Kanton Zürich konfrontiert sind.

Studienbericht
Medienmitteilung Kanton Zürich

Zentrum für Demokratie Aarau Studienbericht Digitale Kampagnenkommunikation

„Let’s go digital“ –Abstimmungskampagnen in der Schweiz im digitalen Zeitalter

Neuer Studienbericht publiziert!

Im internationalen Vergleich galt die Schweiz lange Zeit als Nachzüglerin im Bereich der digitalen Kampagnen. Die Ergebnisse dieses Studienberichts legen den Schluss nahe, dass die Schweiz diese Position verlassen hat und sich nun auf einem Weg hin zu stärker digitalisierten Kampagnen befindet. Im Zentrum dieses Studienberichts steht die Frage, ob und wie sich Parteien, Verbände und Organisationen in der Schweiz an die technologischen Veränderungen im Kampagnenumfeld anpassen.

Zum Bericht

Nationale und kantonale Volksabstimmungen im Vergleich

«The World of Referendums: 2024 Edition» untersucht Schweizer Volksabstimmungen auf nationaler und kantonaler Ebene über die Zeit. Der Bericht basiert auf der Referendum Database (RDB) des Zentrums für Demokratie Aarau, die Abstimmungen weltweit erfasst und vergleichbar macht.

Die Kantone werden abstimmungsmüde

Abbildung 1: Die Zahl der kantonalen Volksabstimmungen ist rückläufig. Es scheint, dass die Kantone abstimmungsmüde werden. Die Gründe für diese Entwicklung sind aber noch unklar.

  • Obligatorische Referenden: Seit den 1970ern nimmt die Zahl der obligatorischen Referenden in den Kantonen kontinuierlich ab. Obligatorischen Referenden machen einen Grossteil der Volksabstimmungen auf kantonaler Ebene aus (rund 60% seit 1970). Daher ist auch die Gesamtzahl der kantonalen Volksabstimmungen gesunken.
  • Fakultative Referenden: Die Zahl der fakultativen Referenden ist seit den 1970ern zunächst relativ konstant geblieben, bzw. ab den 2000ern leicht angestiegen. Seit einigen Jahren zeichnet sich jedoch auch hier ein abnehmender Trend hin zum Stand von 1970 ab.
  • Gegenvorschläge: Gegenvorschläge zu kantonalen Volksinitiativen blieben lange Zeit konstant, bis sie zusammen mit der Zahl der Volksinitiativen in den 2010er Jahren stark zugenommen haben. Heute nähert sich die Zahl der Gegenvorschläge wieder dem Stand von 1970 an.
  • Volksinitiativen: Gegenüber 1970 war die Zahl der kantonalen Volksinitiativen in den 1980ern und 1990ern zunächst deutlich höher. Nach einem kurzen Rückgang in den 2000ern erreichte die Zahl der kantonalen Volksabstimmungen in den 2010er Jahren einen Höhepunkt. Seither ist die Zahl der Volksinitiativen wieder auf einem ähnlichen Niveau wie in den 1980er und 1990er Jahren.

Abb. 1: Entwicklung kantonaler Volksabstimmungen über die Zeit, 1970-2024 (1970 = 100%), geglättet. (Quelle: RDB)

Die Kantone leben die Direkte Demokratie unterschiedlich

Gleiche Instrumente, unterschiedliche Anwendung: Zwar bedienen sich die Kantone aus dem gleichen Werkzeugkasten direktdemokratischer Instrumente, in der Praxis gibt es jedoch grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. Je nach Wohnort (er)leben Schweizer Bürgerinnen und Bürger stark unterschiedliche Ausprägungen der direkten Demokratie. Dies zeigt sich sowohl in der Anzahl Abstimmungen nach Kanton als auch im Typus der Abstimmungen.

Anzahl Volksabstimmungen

Abbildung 2: Zürich ist Spitzenreiter mit rund 600 Abstimmungen seit 1970, gefolgt von nationalen Abstimmungen, Basel Landschaft und Solothurn. Mit knapp 300 Abstimmungen liegt der Kanton Aargau im oberen Mittelfeld. Am unteren Ende der Skala ist mit rund 80 Abstimmungen der Jura als jüngster Schweizer Kanton anzutreffen, gefolgt von Freiburg und Waadt mit je rund 120 Abstimmungen. Am wenigsten an der Urne abgestimmt haben die ehemaligen Landsgemeinde-Kantone Nidwalden, Obwalden und Appenzell Ausserrhoden. Die beiden Landsgemeinde-Kantone Appenzell Innerrhoden und Glarus sind in der Grafik nicht aufgeführt.

Abb. 2: Anzahl Volksabstimmungen national und kantonal (ohne Landsgemeinde-Abstimmungen), 1970-2024. (Quelle: RDB)

Typus der Volksabstimmung

Gleichzeitig unterscheiden sich die Kantone bezüglich der verwendeten Abstimmungstypen stark:

  • Auf nationaler Ebene werden rund zwei Drittel aller Abstimmungen über Unterschriftensammlungen ausgelöst. Zu je einem Drittel sind dies Volksinitiativen und fakultative Referenden. Der restliche Drittel sind obligatorische Referenden oder Gegenvorschläge.
  • Auf kantonaler Ebene wird nur rund ein Drittel der Volksabstimmungen über Unterschriftensammlungen ausgelöst. Die übrigen zwei Drittel der kantonalen Volksabstimmungen bilden 1 Landsgemeinde-Abstimmungen sind in der RDB nur unvollständig erfasst. Deshalb fehlen die Kantone Appenzell Innerrhoden und Glarus vollständig, da diese zur direktdemokratischen Entscheidfindung primär Landsgemeinden nutzen. Für Nidwalden sind Volksabstimmungen ab 1997 erfasst, für Appenzell Ausserrhoden ab 1998 und für Obwalden ab 1999. obligatorische Referenden, Gegenvorschläge und Exekutiv-/Legislativreferenden, welche keine Unterschriftensammlung benötigen.
  • Abbildung 3: Zwischen den Kantonen zeigen sich grosse Unterschiede im Abstimmungstypus. Diese lassen sich anhand des Anteils an Volksinitiativen an der Gesamtzahl der Volksabstimmungen in einem Kanton veranschaulichen. Die Kantone Waadt (40%) und Nidwalden (34%) haben den höchsten Anteil an Volksinitiativen. Mit 17% bewegt sich der Kanton Aargau im Mittelfeld. Den niedrigsten Anteil haben demgegenüber das Wallis und der Kanton Graubünden mit je 5%.

Abb. 3: Anteil Referendumstypen ausgewählter Kantone, 1970/1997-2024. (Quelle: RDB)

Erklärungsansätze

  • Veränderungen über die Zeit: Die Abnahme obligatorischer Referenden auf kantonaler Ebene könnte auf kantonale Verfassungsänderungen zurückzuführen sein. Dies müsste jedoch vertieft untersucht werden, ebenso die Veränderungen bei der Anzahl der anderen Abstimmungstypen auf kantonaler Ebene.
  • Unterschiede Bund-Kantone: Generell wird in den meisten Kantonen weniger abgestimmt als auf Bundesebene. Aus Sicht der Autor:innen liegt dies daran, dass die meisten Kantone höhere Anforderungen an das Verhältnis von Unterschriftenzahl zur Anzahl Stimmberechtigten stellen als der Bund. Dies erschwert die Lancierung von Volksinitiativen und fakultativen Referenden. Ebenfalls ist das Interesse der Bevölkerung an kantonalen Vorlagen tendenziell tiefer, was wiederum die Unterschriftensammlung erschwert.
  • Unterschiede zwischen den Kantonen: Die Kantone nutzen direktdemokratische Instrumente auf unterschiedliche Weise. Aus Sicht der Autor:innen ist dies auf die jeweilige Kantonsverfassung zurückzuführen. So sind zum Beispiel in der Deutschschweiz die direktdemokratischen Instrumente vielfältiger als in der Romandie oder im Tessin. Ebenfalls sind in der Deutschschweiz die Unterschriftenhürden tendenziell niedriger als in der Romandie oder im Tessin.
  • Werkzeugkasten der Direkten Demokratie: Als verfassungsrechtliche Vorgabe des Bundes müssen alle Kantone das obligatorische Verfassungsreferendum und die Volksinitiative auf Teil- oder Totalrevision ihrer Verfassung vorsehen. Darüber hinaus sind die Kantone in der Nutzung des direktdemokratischen Werkzeugkastens frei:
    • Sämtliche Kantone kennen das obligatorische und/oder das fakultative Finanzreferendum, welches auf Bundesebene nicht existiert. Das Finanzreferendum unterstellt Ausgaben ab einer gewissen Höhe und/oder Dauer der Zustimmung des Volkes.
    • Rund die Hälfte der Kantone kennt neben dem obligatorischen Verfassungsreferendum auch das obligatorische Gesetzesreferendum. Das heisst, dass zusätzlich zu Verfassungsänderungen auch gewisse Gesetzesänderungen einer obligatorischen Abstimmung unterstehen.
    • In einigen Kantonen sind zudem auch allgemeinverbindliche Parlamentsbeschlüsse und Parlamentsverordnungen dem fakultativen Referendum unterstellt.
    • In einigen Kantonen kann zudem das Parlament ein Referendum lancieren.

Weiterführende Ressourcen

Bericht

Ezzaini, Juri, Jonas Wüthrich, Salim Brüggemann, Kymani Koelewijn, Gianluca Sorrentino, Robin Gut, and Uwe Serdült. «The World of Referendums: 2024 Edition.» Studienberichte des Zentrums für Demokratie Aarau, 30. Aarau: Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA), 2024. Der Bericht und der Datensatz sind auf https://report.rdb.vote/ respektive https://c2d.ch/ abrufbar.

Die Referendum Database RDB

Der Bericht «The World of Referendums: 2024 Edition» basiert auf Daten der Referendum Database (RDB). Die Datenbank wurde 1994 an der Universität Genf gegründet. Sie beinhaltet wichtige Kennzahlen zu allen nationalen Volksabstimmungen weltweit, sowie eine wachsende Anzahl subnationaler Volksabstimmungen. Die zusätzlichen institutionellen Variablen zu den jeweiligen Staaten sowie interaktive Grafiken machen die RDB zu einem wertvollen Instrument für Forscher:innen und interessierte Bürger:innen. Ein interdisziplinäres Team aus Jurist:innen und Politikwissenschaftler:innen am Zentrum für Demokratie Aarau bewirtschaftet die RDB und entwickelt sie laufend weiter. Periodisch werden weitere Berichte veröffentlicht.

Über das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA)

Das Zentrum für Demokratie Aarau ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, national und weltweit: www.zdaarau.ch

Kontakt

Robin Gut
Projektleiter «The World of Referendums: 2024 Edition»
076 470 87 05
robin.gut@zda.uzh.ch

Drohungen, Ausraster, Tätlichkeiten – Gewalt gegen Politiker:innen in Schweizer Städten

Die Mitglieder der Parlamente der Schweizer Städte erleben immer wieder Aggressionen. Das beeinflusst ihre Zufriedenheit mit dem Amt, wie der neue Studienbericht des Zentrums für Demokratie Aarau zeigt. Und er macht deutlich, warum manche gar aus der Politik aussteigen.

Immer wieder berichteten Medien jüngst von Gewalt an Politiker:innen in der Schweiz, auch in Zusammenhang mit dem Attentat auf Donald Trump. So titelt etwa watson.ch am 14.07.2024 «So gefährlich leben Politikerinnen und Politiker in der Schweiz» oder der Tagesanzeiger rund ein Jahr vorher am 15.08.2023 «`Es ist so viel Hass da` – 5 Politikerinnen und Politiker erzählen, wie sie bedroht werden». Nun zeigt der Studienbericht des Zentrums für Demokratie Aarau erstmals systematisch das Ausmass von Aggressionen gegen Politiker:innen in Gemeindeparlamenten auf.

Neuer Blick auf Gewalt in der Gemeindepolitik

Die bisherige Forschung zu Gewalt in der Gemeinde konzentrierte sich vor allem auf die Exekutiven. Die nun erschienene Studie (siehe Box) wirft mit ihrer Fragestellung einen neuen Blick auf das Thema:

  • Wie zufrieden sind die Parlamentarier:innen in den Schweizer Städten mit ihrem Mandat?
  • Wie stark sind sie von Aggressionen und Gewalt betroffen?
  • Welches sind die wichtigsten Gründe für lokale Parlamentsmitglieder aus der Politik auszusteigen?

Warum dies wichtig ist, erklärt Stefan Kalberer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Demokratie Aarau so: «Parlamente sind der zentrale Ort einer Demokratie. Es wird diskutiert, um Kompromisse gerungen und Entscheidungen werden getroffen. Leider wissen wir immer noch sehr wenig über die Arbeitsweise lokaler Parlamente in der Schweiz. Hier setzt unser Studienbericht an und möchte Klarheit darüber schaffen, vor welchen Herausforderungen Gemeindeparlamentarierinnen und -parlamentarier stehen.»ments work in Switzerland. This is where our study report comes in and aims to shed light on this.»

Verbale Gewalt boomt

Grundsätzlich sind die Parlamentarier:innen zufrieden mit ihrem Mandat, insbesondere dann, wenn sie sich als einflussreich wahrnehmen. Demgegenüber stehen jedoch Aggressionserfahrungen, welche die Zufriedenheit massiv beeinflussen:

«Über ein Drittel der Befragten geben an, in den letzten zwölf Monaten verbale Gewalt erfahren zu haben. 6.4 Prozent geben an, dass in den letzten zwölf Monaten ihr Eigentum attackiert worden sei und drei Prozent sind physisch angegangen worden.» (Studienbericht, ZDA, Seite 19.). Gewalt erfahren die Politiker:innen auch im digitalen Raum zum Beispiel in den sozialen Medien oder durch Online-Falschinformationen wie die folgende Grafik zeigt.

Abb. 1: Welche Art von Aggression haben Stadtparlamentarier:innen in den letzten zwölf Monaten erlebt?

Auch bezüglich der Landesteile zeigen sich Unterschiede. So ist in der Deutschschweiz Gewalt gegen Personen oder deren Eigentum weiter verbreitet als in den anderen Landesteilen. Dafür kommt verbale Gewalt in der lateinischen Schweiz prozentual mehr vor. Auch sind Frauen von verbaler Gewalt wie auch von Sachbeschädigungen prozentual stärker betroffen. Zudem sind Parlamentsmitglieder, die sich auf der rechten Seite des links-rechts Spektrums verorten, stärker von physischer Gewalt betroffen.

Das hat Konsequenzen für die Demokratie, so Daniel Kübler, Direktionsmitglied am Zentrum für Demokratie Aarau: «Auch Politikerinnen und Politiker auf Gemeindeebene sehen sich zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Betrachtet man Gemeinden als `Schule der Demokratie`, ist dies eine schlechte Nachricht. Aggressionen und Gewalt gegen Amtsträger:innen sind inakzeptabel. Die Kleinräumigkeit einer Gemeinde wäre ideal geeignet, Vorurteile gegenüber politischen Widersacherinnen und Widersachern abzubauen und eine friedliche demokratische Debattenkultur zu leben.»

Warum Stadtparlamentarier:innen den Hut nehmen

Diese Gewalterfahrungen beeinflussen, wie sich Parlamentsmitglieder verhalten. Sie verwenden soziale Medien anders und über 30 Prozent der Befragten berichtet von einem Einfluss auf die eigene Parlamentsarbeit. Aggressions- und Gewalterfahrung im Amt kann für lokale Parlamentarier:innen gar ein Grund sein, das Mandat aufzugeben. Dabei geben weibliche Parlamentsmitglieder im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen häufiger an, dass die erfahrene Gewalt einen entscheidenden Einfluss auf ihren Rücktrittsentscheid hatte. Weitere Gründe für einen Ausstieg aus dem Mandat sind, dass sie ein höheres Amt anstreben, ihre Pflicht als erfüllt ansehen oder der Zeitaufwand zu hoch ist.

Daten und Methode
Die Daten des ZDA-Studienberichts «Befragung der Mitglieder städtischer Parlamente in der Schweiz» basieren auf einer europaweiten Befragung von städtischen Parlamentsmitgliedern. Für den vorliegenden Bericht wurden 4599 Parlamentsmitglieder aus allen Landesteilen eingeladen, an der Befragung teilgenommen haben 1009 Personen. Die Befragung dauerte vom 29. September bis am 5. Dezember 2023.

Der Studienbericht

Kalberer, Stefan; Moser, Evan und Kübler, Daniel: «Befragung der Mitglieder städtischer Parlamente in der Schweiz.». Studienberichte des Zentrums für Demokratie Aarau, Nr. 29, August 2024.

Kontakt

Prof. Dr. Daniel Kübler, Direktionsmitglied, Zentrum für Demokratie Aarau
daniel.kuebler@zda.uzh.ch, 078 815 67 60

Stefan Kalberer, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Zentrum für Demokratie Aarau
stefan.kalberer@zda.uzh.ch, 079 863 80 73

Über das ZDA

Das Zentrum für Demokratie Aarau ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, vom Kanton Aargau und von der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, in der Schweiz und weltweit. www.zdaarau.ch