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Schlagwort: Politische Bildung

Interview mit Monika Waldis: «Demokratie­bildung kann mit dem ersten Schultag starten»

Im Interview mit dem Schulblatt Kanton Zürich spricht unser Direktionsmitglied Monika Waldis über das Vertrauen junger Menschen in Institutionen und die Politik, aber auch über Medienbildung und Partizipation. Sie gibt dabei Einblicke in die aktuellen Forschungstätigkeit aus der Abteilung Politische Bildung und Geschichtsdidaktik.

Interview

«SpielPolitik!» gewinnt Föderalismuspreis

Schüler:innen debatieren im Nationalratssaal über eigene Initiativen und lernen so das politische Geschehen hautnah kennen. Dieser praktische Beitrag zur Politischen Bildung ist nun ausgezeichnet worden. «SpielPolitik!» des Vereins Schulen nach Bern – in Kooperation mit dem Zentrum Politische Bildung und Geschichtsdidaktik der Pädagogischen Hochschule FHNW – gewinnt den diesjährigen Föderalismuspreis.

Am 19. November ist es wieder soweit: Schüler:innen sitzen an den Plätzen der tatsächlichen Nationalrät:innen und debattieren über ihre eigenen Vorlagen. Die Themen brennen den 14- und 15-Jährigen selbst unter den Nägeln: «Bessere psychologische Unterstützung für Jugendliche», «8 Wochen Ferien für Lernende» oder «Ein Bürgerdienst für alle» sind nur einige Beispiele.

Die Schüler:innen bereiten ihren Auftritt in Bundesbern in ihren Klassen während rund 15 bis 20 Lektionen intensiv vor: Welche Anliegen können mit einer Volksinitiative aufgegriffen werden? Wie formuliert man eine Volksinitiative? Welche guten Argumente gibt es zu unserem Anliegen und welche Argumente überzeugen nicht? Welchen Weg nimmt eine Vorlage und wie kommt ein politischer Entscheid zustande? Solche und weitere Fragen werden in den Klassen in Verknüpfung mit dem eigenen Anliegen diskutiert.

Im Anschluss treffen sich je vier Klassen für zwei Planspieltage in Bern. Die Schüler:innen nehmen in ihrer Rolle als Nationalrät:innen an Kommissions- und Fraktionssitzungen sowie an der Schlussdebatte im Nationalratssaal teil. Die Rolle des Bundesrats oder der Bundesrätin übernimmt jeweils ein aktives Mitglied des Parlaments. Für die kommende Durchführung im November wird dies Nationalratspräsidentin Maja Riniker sein.

Raus aus dem Schulalltag, rein in den Politikbetrieb im Bundeshaus

Auch wenn die Schüler:innen möglicherweise mit der Initiative im Nationalratssaal bei ihren Kolleg:innen unterliegen, gewinnen sie durch den Besuch von «SpielPolitik!» viel. Sie lernen das Schweizer politische Geschehen auf Bundesebene kennen und erleben die Möglichkeiten und Mechanismen nationaler Politik. Sie merken, wie wichtig Zuhören und sachliches Argumentieren in einer politischen Debatte sind und identifizieren Themen und Handlungsfelder, die direkt mit ihrem Leben verknüpft sind.

Monika Waldis, Leiterin des Zentrums Politische Bildung und Geschichtsdidaktik der PH FHNW und Direktionsmitglied am Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) bringt den Gewinn für die Schüler:innen so auf den Punkt:

«Das Planspiel bietet Gelegenheit für einen spielerischen Austausch über Politik über die Sprachgrenzen hinweg. In Bern und im Bundeshaus arbeiten die Jugendlichen an Themen, die für sie wichtig sind. In den Debatten erfahren die Schüler:innen, ob sie andere von ihrer Idee überzeugen können und welche starken Gegenargumente es gibt. Darüber hinaus gewinnen sie einen Einblick in Abläufe und Regeln der Politik. Dies stärkt das Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Das Spiel hinterlässt ein bleibendes Erlebnis. Es regt das Denken und die Emotionen gleichermassen an.»

Pro Jahr gibt es fünf Durchführungen von «SpielPolitik!», an denen insgesamt rund 400 Schüler:innen teilnehmen. Die Schüler:innen aus den 8. oder 9. Klassen reisen aus der ganzen Schweiz an, wagen den Blick über den eigenen Landesteil und debattieren jeweils in zwei Landessprachen die Vorlagen.

Ausgezeichnetes Projekt für nationalen Zusammenhalt

Dieses Engagement für die Politische Bildung und den Austausch über die eigenen Grenzen hinaus wird mit dem Föderalismuspreis 2025 augezeichnet. Der Preis wird von der ch Stiftung vergeben und ist mit 10’000 Franken dotiert. Die ch Stiftung schreibt dazu:

«Mit dem Föderalismuspreis zeichnet die ch Stiftung Personen und Organisationen (Vereine usw.) aus, die sich mit ihrer Arbeit oder ihrem Projekt für den Föderalismus und den inneren Zusammenhalt in der Schweiz einsetzen. Dabei wird sowohl politisches wie auch zivilgesellschaftliches, wissenschaftliches und kulturelles Engagement berücksichtigt.»

Der Preis wird im Rahmen der Nationalen Föderalismuskonferenz am 13. November 2025 in Zug an die Verantwortlichen von «SpielPolitik!» übergeben.

Kontakt

Noemi Carrel, Projektleitung
spielleitung@schulen-nach-bern.ch

Über den Verein «Schulen nach Bern»

Der Verein «Schulen nach Bern» wurde 2009 gegründet. Er wird getragen vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), der Westschweizer Lehrergewerkschaft (SER) und der Parlamentsdienste. Er wird von den beiden Nationalrätinnen Maja Riniker und Delphine Klopfenstein Broggini präsidiert. Seit 2019 läuft das Projekt unter dem Namen «SpielPolitik!» und wird in Kooperation mit dem Zentrum Politische Bildung und Geschichtsdidaktik der Pädagogischen Hochschule FHNW am Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) organisiert und durchgeführt. www.schulen-nach-bern.ch

Über das ZDA

Das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, vom Kanton Aargau und von der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, in der Schweiz und weltweit. Das Zentrum für Politische Bildung und Geschichtsdidaktik der Pädagogischen Hochschule FHNW ist dem ZDA angegliedert. Das Zentrum entwickelt und beforscht innovative Zugänge für die Politische Bildung und die Demokratiebildung. www.zdaarau.ch

Zentrum für Demokratie Aarau Julia Thyroff als Gast im Podcast

Julia Thyroff zu Gast im Podcast über Politische Bildung

Julia Thyroff diskutiert im Podcast «Die Geschichtsstunde: Didaktik im Dialog» über Historisch-Politische Bildung. In welchem Verhältnis stehen Historische und Politische Bildung zueinander? Ist Historische Bildung immer politisch und umgekehrt? Was heisst das für den Unterricht? Der Podcast ist eine Kollaboration der Uni Kiel und der Uni Hildesheim.

Folge 3
Folge 2

Medienmitteilung Zentrum für Demokratie Aarau Sweet Sixteen - reif genug für Wahlen und Abstimmungen

Sweet Sixteen – reif genug für Abstimmungen und Wahlen?

Sind 16-Jährige bereit für Politik? Sind sie im Vergleich zu jungen Erwachsenen reif genug, politische Entscheide zu treffen? Trauen sie sich politische Entscheidungen zu? Wie oft informieren sie sich über politische Themen? Eine neue Studie des Zentrums für Demokratie Aarau gibt Antworten.

Die Debatte über das Wahlalter ab 16 Jahren gewinnt in Europa zunehmend an Bedeutung und wirft wichtige Fragen zur politischen Reife von Minderjährigen auf. In politischen Debatten wird unter anderem das Argument vorgebracht, dass 16- und 17-Jährige noch nicht reif genug seien, um politisch mitzubestimmen.

Jugendliche und junge Erwachsene im Vergleich

Die Studie des Zentrums für Demokratie Aarau untersucht die politische Reife junger Schweizer Bürger:innen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Es zeigt sich: 16- und 17-Jährige sind politisch ähnlich reif sind wie die Vergleichskategorie der 18- bis 25-Jährigen. Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen Umfrage unter 4’000 jungen Schweizer Bürger:innen.

Studienautor Robin Gut ordnet die Resultate so ein: «Es ist spannend zu sehen, dass Minderjährige im Alter von 16 und 17 Jahren ungefähr gleich reif sind wie junge Erwachsene. Denn diese minderjährigen Bürger:innen sind noch gar nicht stimmberechtigt und deshalb noch nicht vollständig mit unserem politischen System sozialisiert. Trotzdem sind sie politisch gleich reif wie junge Erwachsene. Das Ergebnis steht im Einklang mit den meisten internationalen Studien zur politischen Reife von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.»

Was ist politische Reife?

Die Studie misst «politische Reife» dabei anhand von zwei Unterkategorien: Geht es um die «politische Disposition», also die Einstellung zur Politik im Allgemeinen, zeigen die Daten, dass 16- und 17-jährige Schweizer Bürger:innen ein ähnliches Mass an politischem Interesse und politischer Selbstwirksamkeit aufweisen wie junge Erwachsene. Ebenso haben sie eine vergleichbare Einstellung zum Wählen als Bürger:innenpflicht. Darüber hinaus hat die jüngere Gruppe eine stärkere Absicht, an Wahlen teilzunehmen. Die Absicht, sich an Volksabstimmungen zu beteiligen, ist vergleichbar gross wie bei den 18- bis 25-Jährigen. Bezüglich dem «politischen Verhalten» zeigt sich, dass 16- und 17-Jährige häufiger politische Informationen in den Medien konsumieren als 24- bis 25-Jährige. Sie sind auch ähnlich häufig politischen Diskussionen ausgesetzt wie junge Erwachsene.

Über die Studie

The Political Maturity of Youths and Young Adults: Empirical Evidence from Switzerland

Datengrundlage: Die Studie stützt sich auf die repräsentative Jugendbefragung zur politischen Partizipation, die das Zentrum für Demokratie Aarau im Frühjahr 2023 bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren in der Schweiz durchgeführt hat. Das Bundesamt für Statistik zog dazu aus dem Einwohnerregister eine Zufallsstichprobe von 20’000 Personen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Insgesamt nahmen rund 4’000 Schweizer Bürgerinnen und Bürger an der Umfrage teil. Die Umfrage wurde von der Schweizerischen UNESCO Kommission und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft finanziert.

Methodik: Für die Analyse wurden die Befragten nach Alter, Geschlecht und Sprache gewichtet. Es wurden ordinale und binäre logistische Modelle angewendet.

Download Studie

Gut, R., Ezzaini, J. & Kübler, D. (2025). The Political Maturity of Youths and Young Adults: Empirical Evidence from Switzerland. Swiss Political Science Review, 00, 1–18. https://doi.org/10.1111/spsr.12662

Kontakt

Robin Gut
robin.gut@zda.uzh.ch
076 470 87 05

Über das ZDA

Das Zentrum für Demokratie Aarau ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, vom Kanton Aargau und von der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, in der Schweiz und weltweit. www.zdaarau.ch

POLIS Nr. 14

POLIS Nr. 14 «Die Maschine ist politisch. KI, Demokratie und Bildung»

Die neue Ausgabe des Magazins für Politische Bildung, POLIS, ist erschienen: «Die Maschine ist politisch. KI, Demokratie und Bildung»

Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sorgte in jüngster Vergangenheit für Aufsehen und wirft bedeutende Fragen auf, welche die demokratischen Grundwerte herausfordern: Welche Folgen haben die neuen technologischen Innovationen für aktuelle demokratische Systeme? Und wie kann eine demokratische Gesellschaft, die an der Förderung und nicht am Abbau demokratischer Prinzipien interessiert ist, damit umgehen?

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle der Schulen im Umgang mit diesen Entwicklungen. Wie werden KI-Anwendungen an heutigen Schulen genutzt? Mit welchen Facetten dieser Entwicklung muss sich die Politische Bildung auseinandersetzen? Und inwiefern ist dies aus einer demokratischen Perspektive relevant? Unsere Beiträge sollen zum Nachdenken und Diskutieren anregen.

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