Zum Hauptinhalt springen

Schlagwort: FOKUS Aargau

Junge als treibende Kraft bei den Aargauer Volksabstimmungen vom 8. März 2026

Am 8. März 2026 nahmen die Aargauer Stimmberechtigten die Volksinitiative «Blitzerabzocke stoppen!» an und lehnten die Volksinitiative «Arbeit muss sich lohnen!» ab. Beide Vorlagen stiessen bei den Jungen auf Zustimmung: In der Altersgruppe der 18 bis 29-Jährigen resultierten jeweils deutliche Ja-Mehrheiten. Dies zeigt die Befragung des Zentrums für Demokratie Aarau zur kantonalen Volksabstimmung vom 8. März 2026.

Am 8. März 2026 stimmten die Aargauerinnen und Aargauer über zwei kantonale Volksinitiativen ab: Die Volksinitiative «Arbeit muss sich lohnen!», die eine Kürzung der Sozialhilfe für Langzeitbeziehende verlangte, wurde mit 55.2 Prozent abgelehnt. Die Volksinitiative «Blitzerabzocke stoppen!» erreichte hingegen eine Mehrheit von 55.5 Prozent. Letztere forderte eine Bewilligung von stationären Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachungsanlagen durch den Regierungsrat. Sie stellt in der Geschichte der direkten Demokratie eine Premiere dar – zum ersten Mal wurde über eine Vorlage zur Blitzer-Thematik abgestimmt.

Beteiligung: das Alter machte die Unterschiede zwischen Frauen und Männern aus

Die Stimmbeteiligung erreichte hohe 54.5 Prozent. Wie üblich nahm die Teilnahme mit steigendem Alter, Bildungsniveau und politischem Interesse zu. Ausserdem beteiligten sich Männer insgesamt häufiger als Frauen (60 versus 49 Prozent). Dieser Beteiligungsunterschied hing jedoch stark vom Alter ab. In der jüngsten Kategorie der 18 bis 29-Jährigen beteiligten sich Frauen gar leicht häufiger als Männer (42 versus 32 Prozent), und bei den 30 bis 39-Jährigen lag das Niveau ähnlich hoch. Ab 40 Jahren jedoch schwang die männliche Beteiligung obenaus – mit einer Differenz von bis zu 35Prozentpunkten bei den 60 bis 69-Jährigen.

Volksinitiative «Arbeit muss sich lohnen!» – Unterstützung durch Junge und SVP-Anhängerschaft

Das Alter spielte auch beim Stimmentscheid zur Volksinitiative «Arbeit muss sich lohnen!» eine wichtige Rolle: Jüngere Stimmende unterstützten die Initiative klar – der Ja-Anteil unter den 18 bis 29-Jährigen betrug 63 Prozent. In den drei ältesten Altersgruppen (mehr als 50 Jahre) lag der Ja-Anteil dagegen unter 40 Prozent. Darüber hinaus prägte der Links-Rechts-Gegensatz das Abstimmungsverhalten. Während die Initiative im linken Lager auf klare Ablehnung stiess, sprach sich rechts aussen eine deutliche Mehrheit dafür aus. Dieses Muster spiegelte sich in den Parteianhängerschaften wider: Die SVP-Basis stimmte zu zwei Dritteln Ja, die Anhänger:innen von SP und Grünen lehnten die Vorlage mehrheitlich ab.

Bemerkenswert ist ausserdem, dass die FDP-Anhängerschaft tief gespalten war. Auf der befürwortenden Seite standen zwei Beweggründe im Vordergrund: Am häufigsten wurde angeführt, dass in der aktuellen Arbeitsmarktsituation eine zeitnahe Wiedereingliederung erwartet werden kann (20 Prozent), gleichauf mit der Kritik an einer zu hohen Zahl von Langzeitbeziehenden (20 Prozent). Bei den Kontra-Motiven schwang ein Beweggrund klar obenaus: 30 Prozent der Ablehnenden befürchteten, dass die Initiative zur gesellschaftlichen Ausgrenzung von Betroffenen führen würde.

Blitzer-Initiative – weit verbreiteter Missbrauchsvorwurf

Auch die angenommene Volksinitiative «Blitzerabzocke stoppen!» stiess bei den Jungen auf Anklang. Bei den 18 bis 29-Jährigen (71 Prozent) und den 30 bis 39-Jährigen (62 Prozent) resultierten deutliche Mehrheiten, während die Initiative in den übrigen Altersgruppen umstritten war.

Zudem erwies sich das Einkommen als bedeutender Faktor. Stimmberechtigte aus Haushalten mit einem monatlichen Bruttoeinkommen unter 3000 Franken wiesen mit 81 Prozent die höchste Zustimmungsrate aller Einkommenskategorien auf. Mit steigendem Einkommen nahm die Unterstützung in der Tendenz zwar ab, doch selbst in den bestverdienenden Haushalten resultierte noch eine knappe Mehrheit zugunsten der Initiative.

Das Abstimmungsverhalten wurde durch den Links-Rechts-Gegensatz geprägt. Im linken Lager wurde die Vorlage von über zwei Dritteln der Stimmenden abgelehnt, während rechts aussen eine klare Mehrheit von 75 Prozent dafür stimmte. Im politischen Zentrum hielten sich Befürwortende und Ablehnende die Waage. Bei den Parteisympathien hob sich die Anhängerschaft der SVP (75 Prozent) hervor, während bei den Sympathisierenden der FDP (63 Prozent) ein gutes Drittel von der Parteiparole abwich. Auffallend ist auch, dass die Initiative selbst in links-grünen Kreisen auf substanzielle Zustimmung stiess: So stimmte in der Basis der SP und der Grünen ein Drittel der Volksinitiative zu.

Studienautor Laurent Bernhard ordnet diesen Umstand folgendermassen ein: «Für eine Volksabstimmung mit einem klaren Links-Rechts-Gegensatz ist ein Ja-Anteil von einem Drittel in den linken Parteianhängerschaften aussergewöhnlich hoch. Die Initiative stiess somit weit über das bürgerliche Lager hinaus auf Anklang. Gleichzeitig ist zu betonen, dass in den Reihen der FDP von keiner geschlossenen Unterstützung der Volksinitiative die Rede sein kann, obwohl die Volksinitiative von den Jungfreisinnigen stammte.»

Von Bedeutung war auch der Autobesitz. Personen ohne Auto im Haushalt lehnten die Initiative mit grosser Mehrheit ab – ihr Ja-Anteil belief sich auf lediglich 37 Prozent. Autobesitzende hingegen stimmten der Vorlage mehrheitlich zu, wobei die Zustimmung in Haushalten mit mehr als zwei Autos 68 Prozent erreichte.

In Bezug auf die Beweggründe des Stimmentscheids zeigt sich auf beiden Seiten ein klares Bild. Das mit Abstand wichtigste Ja-Motiv betraf die Überzeugung, dass Blitzer zur Füllung der Staatskasse missbraucht werden (40 Prozent). Im Nein-Lager stand für ein Drittel (34 Prozent) im Vordergrund, dass Bussen angezeigt sind, wenn sich Personen nicht an Gesetze halten. Für jede fünfte ablehnende Person (22 Prozent) war die präventive Wirkung von Blitzern entscheidend.

Download Studie

Bernhard Laurent, Cheon Junmo, Lüscher Sandro, Serdült Uwe. «FOKUS Aargau: Studie zu den Aargauer Volksabstimmungen vom 8. März 2026.» FOKUS-Aargau-Berichte, 12. Aarau: Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA), April 2026.

Kontakt

Dr. Laurent Bernhard
Projektkoordinator Zentrum für Demokratie Aarau
laurent.bernhard@uzh.ch

Über das ZDA

Das Zentrum für Demokratie Aarau ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, vom Kanton Aargau und von der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, in der Schweiz und weltweit. www.zdaarau.ch

Zentrum für Demokratie Aarau, Medienmitteilung, Überdurchschnittliche Mobilisierung der Bürgerlichen bei Aargauer Volksabstimmung

Überdurchschnittliche Mobilisierung der Bürgerlichen bei Aargauer Volksabstimmung

Am 18. Mai 2025 nahmen die Aargauer Stimmberechtigten eine Revision des Steuergesetzes an, während die Volksinitiative «Lohngleichheit im Kanton Aargau – jetzt!» abgelehnt wurde. Von Bedeutung war dabei, dass die Bürgerlichen allgemein und die FDP-Sympathisierende besonders an den Abstimmungen teilnahmen. Beim Steuergesetz spielte nebst dem Links-Rechts-Gegensatz auch das Regierungsvertrauen eine grosse Rolle. Bei der Lohngleichheits-Initiative traten hingegen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen auf. Dies zeigt die Befragung zur kantonalen Volksabstimmung vom 18. Mai 2025, die am Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) durchgeführt wurde.

Im Rahmen der kantonalen Abstimmungen vom 18. Mai 2025 nahmen die Aargauer Stimmberechtigten eine Revision des Steuergesetzes mit 54 Prozent an, während die Volksinitiative «Lohngleichheit im Kanton Aargau – jetzt!» mit 63 Prozent abgelehnt wurde. Die Stimmbeteiligung belief sich auf lediglich 31.6 Prozent, was damit in Zusammenhang gebracht werden kann, dass auf eidgenössischer Ebene keine Abstimmungen stattgefunden haben.

Höchste Stimmbeteiligung in den Reihen der FDP

In Bezug auf die Stimmbeteiligung ist bemerkenswert, dass die ideologische Positionierung eine grosse Rolle spielte: Jene Befragten, die sich rechts (6-7) oder ganz rechts (8-10) einstufen, nahmen überdurchschnittlich häufig am Urnengang teil (je 41%). Im Gegensatz dazu gingen in der Mitte des politischen Spektrums sowie links und ganz links jeweils etwas weniger als 30 Prozent an die Urnen. Somit wurden die Bürgerlichen besser mobilisiert als die Stimmberechtigten im Zentrum und im linken Lager.

Betrachtet man die Parteisympathien, so sticht der ausserordentlich hohe Anteil in den Reihen der FDP (61%) ins Auge. Keine andere Anhängerschaft nahm auch nur annähernd so häufig an den kantonalen Abstimmungen teil. An zweiter Stelle lagen die Sympathisierenden der GLP (43%), gefolgt von der Mitte (40%), jenen der SP (38%) und der SVP (32%). Unter den sechs grössten Aargauer Parteien gelang es den Grünen am schlechtesten, ihre Basis zu mobilisieren (29%). Bei den Parteiungebundenen nahm indessen weniger als jede sechste stimmberechtigte Person teil (15%).

Steuergesetz – auch eine Sache des Regierungsvertrauens

Beim Steuergesetz war das Stimmverhalten stark durch den Links-Rechts-Gegensatz geprägt. Links aussen wurde die Vorlage mit einem Nein-Anteil von 81 Prozent deutlich abgelehnt. Im Gegensatz dazu sprach sich rechts aussen ein fast so hoher Anteil dafür aus (69%). Ausschlaggebend war in dieser Konstellation die Mitte, wo eine knappe Mehrheit zu Gunsten der Revision resultierte (55%).

In der Zustimmung zum Steuergesetz zeigten sich auch deutliche Unterschiede nach Parteianhängerschaften. Während die Sympathisierenden der FDP die Vorlage grossmehrheitlich annahmen (75%), stiess das Steuergesetz in den Rängen der anderen drei grossen Aargauer Parteien, die ebenfalls die Ja-Parole herausgegeben hatten, auf weniger Gegenliebe. Unter den Sympathisierenden der Mitte (60%), der GLP (56%) und der SVP (54%) resultierten nur knappe Mehrheiten zu Gunsten des Steuergesetzes. Auch im linken Lager trat ein bemerkenswerter Kontrast zutage. Im Gegensatz zur Anhängerschaft der SP, die der Vorlage eine deutliche Abfuhr erteilte (72%), wurde unter den Sympathisierenden der Grünen die Steuervorlage von jeder zweiten Person angenommen (50%).

Darüber hinaus hing der Stimmentscheid stark vom Regierungsvertrauen ab. Wer dem Aargauer Regierungsrat in hohem Mass vertraut, nahm mit einer Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent die Vorlage an. Demgegenüber belief sich der Anteil derjenigen, die der kantonalen Regierung ein sehr geringes bis geringes Vertrauen entgegenbringen, auf lediglich 28 Prozent.

Bei den Ja-Motiven standen zwei Überlegungen im Vordergrund: Am häufigsten wurde die Annahme mit der Konkurrenzfähigkeit des Kantons Aargau im Steuerwettbewerb begründet (19%). Fast so oft wurde die steuerliche Entlastung des Mittelstands ins Feld geführt (18%). Auf der Gegenseite störte sich beinahe die Hälfte der Ablehnenden in erster Linie daran, dass Wohlhabende bevorzugt würden (47%).

Lohngleichheits-Initiative – Geschlecht und Alter als Schlüsselfaktoren

Bei der Lohngleichheits-Initiative zeigten sich markante demografische Unterschiede. Von Bedeutung war in erster Linie die Geschlechtszugehörigkeit. Die teilnehmenden Frauen waren sich insgesamt uneins. In der Tat sprach sich jede zweite für die Volksinitiative aus (50%). Hingegen nahm unter den Männern nur rund jeder vierte Partizipierende die Vorlage an (27%). Frauen massen der Lohngleichheits-Initiative zudem eine höhere Bedeutung zu als Männer.

Auch das Alter spielte eine grosse Rolle. Im Allgemeinen nahm die Zustimmung mit steigendem Alter ab. Ins Auge sticht zum einen die deutliche Annahme unter der jüngsten Kategorie der 18- bis 29-Jährigen (65%) sowie die klare Ablehnung ab 50 Jahren. Der Ja-Anteil belief sich in diesem Segment auf unter 30 Prozent.

In Bezug auf die Parteisympathien lässt sich festhalten, dass im linken Lager die Lohngleichheits-Initiative klar angenommen wurde. Die Anhängerschaft der Grünen stimmte der Vorlage mit deutlicher Mehrheit zu (83%), während drei von vier Sympathisierende der SP letztlich ein Ja einlegten (75%). Die Anhängerschaften der GLP (34%), der Mitte (34%), der SVP (27%) und der FDP (17%) lehnten die Volksinitiativ ab, womit sie in Einklang mit den Parteiparolen standen. Wie beim Steuergesetz zeichnete sich die FDP-Basis durch ein besonders hohes Mass an Geschlossenheit aus.

Für die Ablehnung der Lohngleichheits-Initiative standen zwei Aspekte im Vordergrund: Fast jede dritte ablehnende Person gab als Hauptmotiv an, dass es keine kantonalen Regeln brauche, wenn bereits auf Bundesebene Gleichstellungsgesetze existieren. Dahinter folgte die Sorge um kleinere Unternehmen, die bereits einen hohen administrativen Aufwand hätten (24%). Auf der befürwortenden Seite lag die Auffassung, dass Gleichstellung noch zu wenig erreicht sei, an erster Stelle (24%). Von Bedeutung für eine Zustimmung war auch die Notwendigkeit gesetzlicher Bestimmungen (19%).

Weiterführende Ressourcen

Bernhard Laurent, Cheon Junmo, Lüscher Sandro, Koelewijn Kymani Shayra, Sorrentino Gianluca, Serdült Uwe. ”FOKUS Aargau: Studie zu den Aargauer Volksabstimmungen vom 18. Mai 2025.”FOKUS-Aargau-Berichte, 11. Aarau: Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA), Juli 2025.

Kontakt

Dr. Laurent Bernhard
Projektkoordinator Zentrum für Demokratie Aarau
laurent.bernhard@uzh.ch

Über das ZDA

Das Zentrum für Demokratie Aarau ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, vom Kanton Aargau und von der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, in der Schweiz und weltweit. www.zdaarau.ch

Aargauer Grossratswahlen: Die SVP punktete bei den Jungen

Bei den Aargauer Grossratswahlen 2024 erzielte die SVP eine neue Rekordmarke. Dabei kam ihr zugute, dass zahlreiche Wahlberechtigte die Einwanderung als grösstes Problem betrachteten. Der SVP gelang es, einen Grossteil ihrer Wählerschaft von 2020 bei der Stange zu halten, Nicht-Wählende zu mobilisieren und anderen Parteien Stimmen abzujagen. Die Volkspartei schnitt anders als früher auch bei den Jüngeren gut ab. Dies zeigt die Nachwahlbefragung von FOKUS Aargau, die am Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) durchgeführt wurde.

Die jüngsten Aargauer Grossratswahlen führten zu einer Stärkung der bürgerlichen Kräfte. Die SVP als grosse Siegerin konnte ihren Wähleranteil auf 33.9 Prozent steigern – ein historischer Höchststand. Die Grünen erlitten dagegen eine herbe Niederlage und verloren vier Sitze im Grossen Rat. Die SVP profitierte davon, dass die Einwanderung den Wahlberechtigten unter den Nägeln brannte. 23 Prozent der Wahlberechtigten erachteten diesen Themenbereich als wichtigstes politisches Problem. Wer sich in erster Linie um das Kernthema der SVP sorgte, wählte zu 69 Prozent die Volkspartei.

Von grosser Bedeutung waren auch die steigenden Krankenkassenprämien (18 Prozent). Allerdings gelang es keiner der sechs grössten Aargauer Parteien, sich aufgrund der Brisanz dieses Themas einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. In dieser Themenkonstellation schaffte es die SVP, ihre Basis bei der Stange zu halten: Rund zwei Drittel ihrer Wählerschaft von 2020 blieben der Volkspartei treu. Zudem gelang es ihr, Nicht-Wählende zu mobilisieren und starke Zugewinne von anderen Parteien zu realisieren – insbesondere von der FDP und überraschenderweise auch von den Grünen.

Ebenfalls bemerkenswert ist: Die SVP stiess bei den Jüngeren auf viel Zuspruch. Anders als früher zeigt sich kein Übergewicht älterer Wählerschichten mehr. Bei den 30 bis 39-Jährigen erreichte die Partei sogar ihren höchsten Wähleranteil. 46 Prozent der Teilnehmenden dieser Alterskategorie gaben der Volkspartei ihre Stimme.

Studienautor Laurent Bernhard sagt: «Dieser Befund ist insofern nicht überraschend, als in Europa momentan verschiedene Rechtsaussen-Parteien mit ihrer identitären Agenda bei den Jungen punkten. Dies ist nun auch der Aargauer SVP gelungen.»

Abb. 1: Parteistimmen Grossratswahl 2024 nach soziodemografischen Merkmalen (nur materiell Wählende, d. h. ohne Leerstimmen)

Die «grüne Welle» ist abgeebbt

Die Grünen und auch die Grünliberalen litten ihrerseits darunter, dass der Klimawandel nicht mehr die politische Debatte dominierte. Ihr Kernthema und Treiber der Erfolge von 2020 wurde nur noch von 9 Prozent der Wählenden als wichtigstes Problem genannt. Die sogenannte «grüne Welle» ist also abgeebbt.

Den Grünen gelang es am wenigsten, ihre Wählerschaft von 2020 zu halten: Nur 43 Prozent wählten sie erneut, der Rest nahm entweder nicht an den letzten Grossratswahlen teil oder bevorzugte andere Parteien. Die Grünen verloren im gleichen Zug viele Wählenden an die SP und an die SVP.


Die GLP vermochte zwar anteilsmässig am meisten Spätentschlossene für sich zu gewinnen (30 Prozent), büsste aber unter dem Strich 8 Prozent ihrer früheren Wählerschaft an die Konkurrenz ein. Diese Verluste gingen in verschiedene Richtungen – am häufigsten zur SVP, gefolgt von der SP und der Mitte.

Demobilisierung der SP-Wählerschaft

Die SP konnte trotz zahlreicher Stimmen von ehemaligen Wählenden der Grünen insgesamt nicht zulegen. Dies lag in erster Linie daran, dass viele SP-Wählende von 2020 den Urnen fernblieben. Den Sozialdemokraten gelang es nicht, diese Verluste durch die Mobilisierung von bisher Nicht-Wählenden auszugleichen. So resultierte gemessen am Wähleranteil von 2020 ein Nettoabfluss von hohen 9 Prozent.

Bei der Mitte glückte dagegen die Mobilisierung von Nicht-Wählenden. Zugleich verlor sie jedoch überdurchschnittlich viele Stimmen an konkurrierende Parteien, allen voran an die SVP. Dies legt den Schluss nahe, dass in Bezug auf die Zusammensetzung der Wählerschaft der Mitte mehr in Bewegung kam als es aufgrund des stabilen Wähleranteils den Eindruck erweckte.

Die Wählerschaft der FDP wies mit 57 Jahren das höchste Durchschnittsalter auf. Wie die SVP schafften es die Freisinnigen, zwei Drittel ihrer Wählerschaft von 2020 zu halten. Zudem gelang unter dem Strich die Mobilisierung von Nicht-Wählenden. Darüber hinaus gewann die FDP auf Kosten der EVP, der Mitte und den Grünen hinzu. Allerdings gingen viele Stimmen an die SVP verloren, wodurch sich die Zu- und Abflüsse insgesamt die Waage hielten.

Weiterführende Ressourcen

Die Studie

Die vorliegende Untersuchung beruht auf einer Befragung von 2042 Aargauer Wahlberechtigten im Rahmen der Studie «FOKUS Aargau» zur Aargauer Grossratswahl vom 29. Oktober 2024. FOKUS Aargau wird vom Swisslos-Fonds des Kantons Aargau finanziert. Die Erhebung der Daten erfolgte durch die Firma DemoSCOPE, während die Analysen vom Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) durchgeführt werden. Die Schlussberichte und weitere Analysen sind jeweils einige Wochen nach dem Abstimmungs- oder Wahltermin auf der Webseite www.analysen.fokus.ag abrufbar. Die den Studien zugrunde liegenden Fragebogen sind auf derselben Seite frei zugänglich.

Download

Bernhard, Laurent; Brüggemann, Salim; Cheon, Junmo; Serdült, Uwe. «FOKUS Aargau: Studie zu den Aargauer Grossratswahlen vom 20. Oktober 2024.» FOKUS-Aargau-Berichte, 10. Aarau: Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA).


Kontakt

Dr. Laurent Bernhard
laurent.bernhard@zda.uzh.ch


Über das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA)

Das Zentrum für Demokratie Aarau ist ein wissenschaftliches Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau getragen wird. Es betreibt Grundlagenforschung und befasst sich mit aktuellen Fragen zur Demokratie – regional, national und weltweit: www.zdaarau.ch